[Micha Riser's Homepage]

Arbeit zum Thema El Niño

5. Ursachen

Die Ursachenforschung steckt im Moment noch in Kinderschuhen. Dies hat zwei Gründe

  1. Bisher konnten praktisch keine Daten erhoben werden, die nötig wären, um nach den klimatischen Grundbedingungen zu forschen, die einen El Niño verursachen. Wenn die klimatischen Bedingungen bekannt wären, so könnte man auf die Ursachen schliessen. Bisher jedoch hat man nur Daten von Handelsschiffen, die durch diese Gegend fuhren, die schon eine längere Zeit durchgeführt werden. Dazu kommt noch die Beobachtung durch Klimasatelliten der NASA, die seit einigen Jahren durchgeführt wird. Diese Methode hat jedoch einige wichtige Lücken. So lässt sich die Oberflächentemperatur sehr einfach messen (Wärmeabstrahlung), jedoch kann weder die Temperatur in der Tiefe noch die genaue Wind- und Wasserströmung gemessen werden. Über dies können nämlich nur ungefähre Daten erhoben werden, anhand der Bewegung von Wolken oder anhand der Verschiebung von unterschiedlich warmen Zonen im Wasser. Abhilfe sollen hier Hochseebojen schaffen, die im Ozean verankert werden. Über eine solche Boje kann man einerseits die Wassertemperatur, die Windrichtung und die Bewölkung messen, andererseits aber auch die Strömungen und Temperaturen in der Tiefe. Diese haben auch einen wesentlichen Einfluss auf das Geschehen, da ein grosser Teil des nach Westen strömenden Wassers durch die Tiefe wieder zurückfliesst. Alle diese modernen Messgeräte sind noch sehr neu und haben erst einen El Niño miterlebt. Da man in der Klimaforschung längere Messreihen braucht als nur die eines einzigen Ereignisses (mindestens 30- 50 Jahre), kann man im Moment noch nichts genaueres über die Ursachen aussagen.
  2. Um die Unmengen von Daten sinnvoll auszuwerten, braucht es entsprechende Geräte, Hochleistungscomputer. Diese Computer, die in den Daten einerseits Gesetzmässigkeiten erkennen helfen sollen und andererseits aufgrund von Daten und physikalischen Gesetzmässigkeiten verschiedene Situationen durchrechnen sollen, sind erst seit wenigen Jahren vorhanden. Somit steckt auch dieser Ansatz erst in Kinderschuhen, auch wenn man davon ausgeht, dass in Zukunft ein sehr grosser Teil der Klimaforschung computergestützt betrieben wird.


6.1. klimatische Auswirkungen des El Niño im Pazifikraum

Westküste Südamerikas:

Das kalte und nährstoffreiche Wasser, das der Humboldtstrom und der Auftrieb von Wasser aus der Tiefe an die Küste Südamerikas bringen, wird während eines El Niño durch warmes und nährstoffarmes Wasser verdrängt. Dies hat ein Algensterben und damit verbunden ein Fischsterben zur Folge.

Während eines El Niño weht kein trockener Wind vom Land, sondern ein Westwind vom Meer her. Dieser nimmt über dem warmem Meerwasser viel Luftfeuchtigkeit auf. Beim Aufsteigen über dem Land kühlt sich die Luft ab. Dadurch kann sie weniger Luftfeuchtigkeit aufnehmen. Es bilden sich Wolken, und das überschüssige Wasser fällt als Regen zur Erde. Die normalerweise sehr trockene Westküste Südamerikas wird von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht.

Indonesien und Ost-Australien:

Hier geschieht gerade das Gegenteil: Die erwarteten Regenfälle bleiben aus. Dies ist so, weil die Winde nicht mehr vom Meer her kommend in dem normalerweise dort liegenden Tiefdruckgebiet aufsteigen. Statt dessen gehen sie als Westwinde von Indonesien und Ost-Australien weg.


6.2. Die Folgewirkungen des El Niño-Klimas im Pazifikraum

Westküste Südamerikas:

Durch das Schrumpfen der Fischbestände gehen auch die Erträge der Fischerei, einem wichtigen Wirtschaftszweig Südamerikas markant zurück.

Durch die gewaltigen Wassermassen, die vom Himmel fallen, kommt es zu Überschwemmungen, die schlecht ausgebauten Flussbeete treten über die Ufer. In den überschwemmten Gebieten kommt es oft zum Ausbruch von Krankheiten wie Malaria und Cholera.

Indonesien und Ost-Australien:

Die unerwartete Trockenheit führt dazu, dass die Ernten der Bauern verdorren. Zudem trocknen die Wälder aus, wodurch sie leicht entzündbar ist. So kommt es oftmals zu riesigen Buschbränden.


7.1. Weltweite klimatische Auswirkungen

Die härteste Last müssen bei den weltweiten Auswirkungen vor allem die Pazifikstaten tragen. Vor allem betroffen neben Südamerika sind Australien und Indonesien. Da die normale Luftströmung von Osten ausbleibt, gibt es an den Ostküsten, bei Inseln im ganzen Land keine Steigungsregen, die während der dortigen Regenzeit eigentlich üblich wären. Die anfänglich kühle Luft- und Wasserströmung aus dem Osten heizt sich im Normalfall während des langen Weges bis nach Australien beträchtlich auf, so dass die Luft sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Im El Niño Fall bleibt diese feuchte Luft aus, statt dessen wird das Wasser wie schon beschrieben über Südamerika abgeregnet. Der fehlende Regen zieht somit in der Landwirtschaften riesige Ernteausfälle mit sich, vor allem die kleinen Bauern, die am Rande der Existenz leben sind davon besonders betroffen. Ein anderes riesiges Problem, das mit dem Fehlen des Regens entsteht , ist die immens erhöhte Waldbrandgefahr, die einige Leute zur Brandrodung nutzen wollen. Durch die enorme Trockenheit gehen solche Unterfangen jedoch schief, das Feuer wird unkontrollierbar und zerstört riesige Landstriche. Der dabei entstehende Russ wird jedoch nicht weggeblasen, da bei El Niño Situation sehr wenig Wind herrscht. Der Rauch wird somit nicht über dem ganzen Ozean verteilt, sondern bleibt in hoher Konzentration am Ort stehen und schädigt so Mensch und Tier. Vor allem kleine Kinder und ältere Menschen sind davon sehr direkt betroffen. Experten haben berechnet, dass sich das tägliche Einatmen des Rauchs auf den Menschen auswirkt wie das Rauchen von siebzig Zigaretten, in den vom Rauch zugedeckten Gebieten starben viel mehr Leute als dies normalerweise der Fall wäre. Auch für Tiere ist der Rauch eine enorme Belastung, viele Tiere sterben daran oder kommen in den Flammen um. Ein weiterer Nebeneffekt solcher Feuer sind Flugzeugabstürze (infolge mangelnder Sicht) und Autounfälle.

Durch das Zusammenbrechen des Passatwindes im Pazifikraum wird auch der Südostpassat rund um den Globus beeinträchtigt. An der Ostküste Afrikas gibt es ebenso eine Dürre wie an der Ostküste Südamerikas, da der Passat auch hier ausfällt und somit keine feuchte Luft von Ozean her übers Land bringen kann (z.T. Steigungsregen). Auf der Nordhalbkugel gibt es viel weniger starke Auswirkungen, einzig die Westküste Nordamerikas muss einige Stürme hinnehmen. Wenn auf der Südhalbkugel El Niño ist, spielt sich auf der Westküste Nordamerikas ein ähnliches Phänomen ab, jedoch in viel kleinerem Ausmass. So kommt es dann zu den oben erwähnten Stürmen. Europa ist vom El Niño kaum betroffen, trotzdem haben einige Wissenschaftler mögliche Auswirkungen berechnet, die jedoch in den ständigen Schwankungen des europäischen Klimas untergehen.


7.2. Weltweite Folgewirkungen

Eine weiteres Problem, das uns eher trifft, sind die wirtschaftlichen Auswirkungen. Auch hier gilt die Regel, dass es im Unglücksfall immer die kleinen und machtlosen trifft. So haben sich die grossen Rohstoffhändler im Landwirtschaftssektor wie üblich schon früh vertragliche Festpreise für die Produkte gesichert, da sie eigens Klimatologen angestellt haben und so die Klimakatastrophe vorausgesehen haben. Diese Festpreise sind nun gleich hoch, egal ob viel oder wenig produziert wurde. Das einzige was sich ändert, sind die Margen, die der Zwischen- und Endhandel auf die Produkte schlägt. Die grossen Rohstoffhändler sind schlau genug, dass sie die Margen bei geringem Angebot so hoch ansetzen, dass sie trotzdem auf ihre Rechnung kommen. Einige sind sogar froh über die Katastrophe, da sie so noch viel höhere Spekulationsgewinne eintreiben können.

Ein solches Klimaphänomen betrifft natürlich auch die Versicherungen. Ein Grossteil der direkt Betroffenen lebt jedoch in Gebieten, wo man sich Versicherungen nicht leisten kann (Versicherungen sind eigentlich nur in Europa und Nordamerika üblich). So schätzt die Schweizer Rückversicherung die Schadensumme für alle Versicherungen auf "nur" fünf bis sieben Milliarden, während ein einziger Hurrikan über den USA Schäden von bis zu zwanzig Milliarden anrichten kann.


[Zurück][Inhaltsverzeichnis][Weiter]

© by Micha Riser und Roman Racine,